Pendeln mit dem Fahrrad – ein Selbstversuch

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Im Rahmen des diesjährigen Stadt-Radelns im September ist mir der Gedanke gekommen, dass man möglichst oft mit den Rad zur Arbeit fahren könnte. An schönen Tagen bin ich zwar hin und wieder mal mit dem Rad zur Arbeit gefahren, maximal jedoch zwei Tage pro Woche, da der Zeitaufwand hierfür doch sehr hoch ist.

Mit dem Fahrrad über eine mittlere Distanz von 25 km zur Arbeit pendeln
  1. Ausgangslage
  2. Voraussetzungen
    1. Umkleide-und Waschmöglichkeiten auf der Arbeit
    2. Halbwegs passable Radwege
    3. funktionales Equipment
      1. Das Fahrrad
      2. Die Kleidung
    4. Körperliche Fitness und Ernährung

Ausgangslage

Daher habe ich beschlossen das Fahrrad-Pendeln im November auszuprobieren. Hierzu gibt es hier eine kleine Mini-Serie. Dieser Teil beschäftigt sich mit den Voraussetzungen für das Fahrrad-Pendeln.

Von Kamp-Lintfort nach Wesel sind es ca 23 km. Wenn ich dann direkt von der Arbeit zum Stall und von dort nach Hause fahre, kommen nochmals 38 km hinzu, so dass ich auf etwas über 60 km pro Tag komme. Ich bin wirklich nicht die Schnellste auf dem Rad. Wenn ich richtig gut bin schaffe ich die 23 km in ca. 70 Minuten zu fahren und komme dann ziemlich durchgeschwitzt am Ziel an. Pro Tag verbringe ich dann ca. 3:45 Stunden auf dem Fahrrad. Soweit so gut. Unter Pendeln verstehe ich auch, dass man bei fast jedem Wetter fährt (außer es wird zu gefährlich,
z. B. bei Glatteis).

Voraussetzungen

Zur Arbeit zu pendeln setzt ein paar Dinge voraus:

Umkleide-und Waschmöglichkeiten auf der Arbeit

Ideal wäre, wenn der Arbeitgeber Umkleideräume mit Duschen zur Verfügung stellt. Dadurch wäre gewährleistet, dass man quasi wirklich frisch am Arbeitsplatz sitzt. Bei meinem Arbeitgeber ist dies leider nicht der Fall. In der Regel bin ich vor meinen Kolleginnen auf der Arbeit, so dass ich mich in aller Ruhe in der regulären „Keramikabteilung“ frisch machen kann. Etwas Seife, Waschlappen, ein Handtuch und Deo sind dafür vollkommen ausreichend, wenn man nicht total durchnässt ankommt. Das bedeutet für mich ein Tempo zu fahren, bei dem ich möglichst wenig schwitze. Natürlich hat man ordentliche Bürokleidung dabei, so dass man adäquat gekleidet am Schreibtisch sitzt.

Diese infrastrukturelle Einschränkung bedeutet aber auch für mich, dass es auf dem Hinweg zur Arbeit nicht regnen darf und ich regelmäßig einen Blick auf den Wetterbericht habe, ob es morgens regnet. Auch Abends sollte es möglichst nicht nicht zu stark regnen. Insbesondere, wenn es dabei auch kalt ist. Schwitzen ist ein Kühlmechanismus des Körpers, wenn ich dann abends am Stall noch das Pferd bewege und versorge, was schon mal 2-3 Stunden dauert, kann das schnell zum Auskühlen führen und man fängt sich einen Infekt ein. Dies wäre jetzt zu Corona-Zeiten nicht wirklich empfehlenswert.

Halbwegs passable Radwege

Die Radwege hier am Niederrhein sind halbwegs brauchbar. Zwar gibt es auch hier an den ein oder anderen Stellen richtige Buckelpisten auf denen die Baumwurzeln den Asphalt hochdrücken, auf den Strecken, die ich befahre sind diese Stellen eher selten. Auch habe ich keinen „gefährlichen“ Stadtverkehr was nicht bedeutet, dass ich sehr aufmerksam unterwegs sein muss.

funktionales Equipment

Das Fahrrad

Ich habe ein Winora-Tourenrad aus dem Jahr 1984 mit einer 12-Gang-Shimano-Positron-Schaltung und Cantilever-Bremsen für vorne und hinten. Damit die Beleuchtung auch bei schlechtem Wetter gut funktioniert, ist das Fahrrad mit einem vorderen Laufrad mit Nabendynamo und einer breit streuenden LED-Vorderlampe sowie eine größere LED-Schlussleuchte ausgestattet. Das Besondere an diesen Lampen ist, dass diese eine Standleuchtenfunktion haben – also auch an Ampeln bleibt die Beleuchtung an. Das Licht schaltet sich bei Dämmerung selbständig an. Da ich immer Probleme mit einschlafenden Händen am Lenker hatte, wurde das Rad zwischenzeitlich mit einem Rennradlenker und einem Triathlonaufsatz ausgestattet. Dies ermöglicht mir verschiedene Sitzpositionen auf der Fahrt einzunehmen. Außerdem habe ich einen Metallkorb auf dem Gepäckträger, in den der Rucksack während der Fahrt seinen Platz findet. Da bei längeren Touren das Trinken wichtig ist, wurde auch ein Getränkehalter angebracht. Da ich auf Plastik weitestgehend verzichte habe ich mich für Edelstahlflaschen entschieden: für den Sommer eine normale und für den Winter eine mit Thermofunktion. (Im letzten Winter war mir einmal das Wasser in der Sommerflasche fast eingefroren ;-)

Die Kleidung

Da Bürokleidung meinem Empfinden nach ziemlich unbequem auf dem Fahrrad ist und dazu auch schnell verschleißt und verschmutzt habe ich mich für eine funktionale Fahrradbekleidung entschieden. Der Fahrradhelm ist dabei Pflicht. Zum Schutz der Augen trage ich eine Brille – im Sommer dann eine Sonnenbrille.

Im Sommer trage ich eine kurze Fahrradhose mit Gesäßpolster und ggf. Beinlinge. Darüber ein Shirt. Wenn es besonders heiß ist bevorzuge ich luftige Shirts. Ansonsten tun es an kühleren Tage auch langärmlige leichte Trikots. Da ich keine Klickpedale habe, ziehe ich normale luftigere Turnschuhe an.

Im Winter trage ich eine lange, innen aufgeraute Fahrradhose mit Gesäßpolster. Außerdem habe ich auch eine Thermoradhose mit Gesäßpolster. Dann hängt es etwas von den Temperaturen ab: kurz- oder langärmliges Funktionsunterhemd, wärmendes Trikot, und eine Softshell-Jacke, bei der ich, wenn es wärmer wird die Ärmel abnehmen und diese dann als Weste verwenden kann. Außerdem habe ich eine Helmmütze und Handschuhe. An den Füßen trage ich Turnschuhe mit einer Gore-Tex-Membran, so dass die Füße etwas vor dem Fahrtwind geschützt sind und nicht beim Durchfahren einer Pfütze oder bei einem Schauer direkt nass werden. Damit ich in der dunklen Jahreszeit gut gesehen werden kann trage ich über der Jacke noch eine gelbe „Leuchteweste“

Regelmäßig an Board ist die Regenbekleidung: eine Regenhose, Regenjacke, Regenschutz für den Helm.

Die Winterausstattung

Körperliche Fitness und Ernährung

Als ich vor zwei Jahren das erste Mal die Strecke Kamp-Lintfort-Wesel; Wesel-Kamp-Lintfort gefahren bin war ich so richtig platt. Pro Strecke brauchte ich über 1:40 Stunden. Trotz Gesäßpolster tat das Gesäß ordentlich weh. Zwar war ich durchs Joggen relativ fit, aber es war etwas anderes. Die Büropause von 8,5 Stunden zwischen den Fahrten hatte eine erholsame Wirkung. In diesem Sommer bin ich dann 1 Mal pro Woche mit dem Rad zur Arbeit gefahren. Gegen Ende des Sommers waren es dann auch schon 2 Tage.
Im darauf folgenden Jahr wurde ich fitter und ich bin wenn es das Wetter zugelassen hat 2 Mal / Woche nur die 2 x 23 km gefahren. Generell bin ich überwiegend im GLA I-Bereich unterwegs gewesen. An guten Tagen fuhr ich dann auch mal im GLA-II-Bereich und irgendwann kamen dann auf dem Heimweg kleinere Sprints und Fahrtspielchen dazu, um schneller zu werden.

Was ich damit sagen will, solche Strecken fährt man nicht mal eben so. Der Körper braucht gerade zu Beginn solcher Aktivitäten ausreichend Regenerationszeit, da er anderenfalls in den Streik tritt. Somit ist auch klar, dass es einige Zeit braucht, bis der Körper mit über 60 km/Tag klar kommt.

Damit solche Strecken gut bewältigt werden können muss unbedingt auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung und ausgewogene Ernährung geachtet werden. Auf einem meiner Heimwege bin ich einmal quasi kraftlos vom Fahrrad „gefallen“ als ich meine erste Bekanntschaft mit dem gefürchteten „Hungerast“ gemacht hatte.
Zum Trinken habe ich überwiegend Wasser manchmal auch mit Magnesiumcitrat angereichert dabei. Im Winter bevorzuge ich heißes Wasser zum Trinken, weil es sich für den Körper als angenehmer anfühlt. Da ich mich überwiegend basenüberschüssig, gluten- und zuckerfrei ernähre und auch auf tierische Lebensmittel (bis auf wenige Ausnahmen) verzichte, ist es wichtig dennoch genügend Kohlenhydrate und Eiweiß aufzunehmen. Da Getreideprodukte weitestgehend herausfallen kommen als Kohlenhydrat- und Eiweißlieferanten Hülsenfrüchte und Obst und Gemüse zum Einsatz.

Salat mit Linsenbratling

Pendelt ihr auch regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit oder habt die das schon einmal ausprobiert? Was sind eure Erfahrungen? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

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