
Yoga und Ayurveda
Seit vielen Jahren praktiziere ich Yoga und dabei ist es unabdingbar, dass ich früher oder später auch mit dem Ayurveda in Kontakt kommen musste. Yoga und der Ayurveda sind zwei eng miteinander verbundene Disziplinen. Für viele Menschen bedeutet Yoga einfach nur körperliche Übungen, die den Körper stärken, dehnen und entspannen sollen. Dabei sind die Asanas (=Übungen) nur ein kleiner Teil des Yoga. Yoga ist eine Lebensphilosophie, die alle Ebenen des menschlichen Seins anspricht. Eine der heute wichtigsten Schriften des Yoga sind die Yoga Sutra des Patanjali. Diese beschreiben wie man Körper, Geist und Seele in Einklang bringen kann. Das höchste Ziel ist die Selbstverwirklichung – also uns Selbst zu erkennen und wirken zu lassen und dabei einen Zustand zu erreichen der frei von geistigen und körperlichen Leiden ist und dabei unseren Lebenssinn zu verstehen.
Der Ayurveda ist eine Schwester-Disziplin des Yoga. Der Ayurveda bedeutet für viele Entspannung und Wellness. Dabei ist er viel mehr: Er ist ein ganzheitliches Gesundheitssystem mit dem Fokus auf Prävention von Erkrankungen und einem langen gesunden Leben – also das, was heute als Longevity (=Langlebigkeit) bezeichnet und teuer verkauft wird. Der Berührungspunkt des Yoga und des Ayurveda ist die Elemente-Lehre, der sog. Doshas (Vata, Pitta, Kapha). Diese drei Doshas werden aus den fünf Elementen Erde, Wasser, Feuer, Luft und Äther gebildet und bestimmen die individuelle Konstitution und Gesundheit eines Menschen. Insbesondere in der Hatha Yoga Pradipika (ebenfalls eine wichtige Schrift) werden ausführlich die Wirkungen verschiedener Asanas auf die Doshas, dem Verdauungsfeuer Agni und bestimmte Krankheiten beschrieben, wobei Ernährungsempfehlungen eine wichtige Rolle spielen.
Ein sehr bekanntes Zitat im Ayurveda bringt die Bedeutung der Ernährung für die Gesundheit auf den Punkt: „Bei falscher Ernährung nützt Medizin nichts; bei richtiger Ernährung braucht man keine Medizin“ .
Dies bedeutet, dass alles was wir jeden Tag essen und wie wir es essen einen großen Einfluss darauf hat, ob wir unseren Körper schwächen und letztlich krank werden oder ihn stärken und nähren und bis ins hohe Alter fit und gesund bleiben.
Das Heilige Basilikum (botanischer Name: Ocimum sanctum)
Ein wesentlicher Bestandteil des Ayurveda ist eine umfassende Pflanzenheilkunde, in der das Heilige Basilikum eine wesentliche Rolle spielt.
Das Heilige Basilikum wird auch als indisches Basilikum, Königsbasilikum oder einfach als Tulsi-Basilikum (Sanskrit: Tulasi) bezeichnet. Das Tulsi-Basilikum gehört zur Familie der Lippenblütler und ist mit unserem beliebten Genovese Basilikum verwand. Diese Pflanze hat allerdings einen etwas anderen Geschmack als das uns hier bekannte Basilikum. Der Geschmack kann mit würzig-süß beschrieben werden. Es ist eine sehr aromatische, krautige Pflanze, die bis zu einem Meter groß werden kann und in warmen Regionen Indiens gut gedeiht. Es gibt sie als Weißes Tulsi (Shweta Tulsi) und Schwarzes Tulsi (Krushna Tulsi) und ist als Gartenpflanze dort sehr beliebt, weil sie sehr gut Mücken abwehrt.
Im Ayurveda wird Tulsi zur Förderung der Verdauung und zum Schutz der Leber verwendet. Tulsi-Basilikum hat eine kräftigende Wirkung auf die Atemwege und wirkt erwärmend und schleimlösend im Brustbereich und stärkt hier die Immunkraft. Insbesondere hilft er bei Husten, Erkältungen und Atemwegsbeschwerden. Außerdem hilft er beim Stressabbau und verbessert die mentale Leistungsfähigkeit.
Verwendung
Im Ayurveda wird Tulsi als Blättersaft oder Tee verwendet. Ich persönlich verwende ihn im Winter als Tee. Dazu nehme ich 3- 4 Gramm getrocknete Blätter und gieße mir hieraus einen Tee auf.
Anbau von Tulsi-Basilikum in unseren Breiten
Mittlerweile gibt es auch hier bei uns viele Anbieter, die Tee aus Tulsi-Basilikum verkaufen. Der Kilopreis liegt je nach Qualität zwischen 50,00 und 95,00 Euro. Bei diesem Preis lohnt es sich Tulsi-Basilikum im Garten oder Balkon selber anzubauen. Biologisches Saatgut bekommt man unteranderem bei Bingenheimer Saatgut, Dreschflegel, Biogartenladen usw.
Tulsi-Basilikum ist im Gegensatz zum westlichen Basilikum mehrjährig, aber nicht winterhart. Er hat einen leicht rötlichen Stiel, an dem gegenständig dunkelgrüne Laubblätter, die eine gesägte Form haben, wachsen. Diese haben feine Drüsenhaare, du auf dem Bild unten gut zu erkennen sind und spitz zulaufen. Wie auch unserer Basilikum bildet der Tusli-Basilikum endständige Blütenstände aus, die zwischen 6 cm und 8 cm lang werden können. Diese Blüten verströmen eine frischen krautig-pfeffrigen Duft, der an Gewürznelken erinnert und damit ein wahres Bienen- und Hummelmagnet sind.
Voranzucht
Für mich hat es sich bewährt Basilikum bereits ab Februar in die Voranzucht zu bringen. Wie auch der europäische Basilikum ist der Tulsi-Basilikum ein Lichtkeimer. Seine optimale Keimtemperatur liegt bei ca. 20 Grad Celsius, weshalb er zum Keimen in einem Mini-Gewächshaus auf einer Wärmematte und unter Vollspektrum-Pflanzenleuchten steht. Wichtig ist, dass er gut feucht- aber nicht zu nass gehalten wird. Nach ca. 20 Tagen keimen die Samen und ich pikiere sie in kleine Quickpottplatten, wenn sie mindestens das 2-Blattstadium erreicht haben. Dafür nehme ich etwas nährstoffreicheres Substrat und gieße die Jungpflanzen mit Effektiven Mikroorganismen an.
Auspflanzen
Da das Tulsi-Basilikum frostempfindlich ist, setzte ich es erst nach den Eisheiligen in den Garten. In diesem Jahr habe ich es sowohl ins Hochbeet als auch als Unterbepflanzung bei der Aubergine und Paprika gepflanzt. Der Standort sollte sonnig und windgeschützt sein, der Boden nährstoffreich und luftig-locker. Hierfür kann gut abgelagerter Kompost verwendet werden. Der ph-Wert des Bodens sollte im Normalbereich liegen.
Pflege
Generell benötigt das Tusli-Basilikum wenig Pflege. Nur wenn es sehr heiße Sommer sind, muss darauf geachtet werden, dass er nie vollständig austrocknet, so dass regelmäßige kleine Wassergaben erforderlich sind. Zu beachten ist, dass keine Staunässe entsteht.
Tulsi-Basilikum gehört zu den Kräutern mit einem höheren Nährstoffbedarf, so dass er für gelegentliche Düngergaben sehr dankbar ist. Ich verwende hierfür einmal pro Woche meinen Bokashi-Saft-Dünger in einer Dosierung von ca. 50 ml auf 10 l Wasser, was bisher gut funktioniert.
In diesem Jahr habe ich bereits Anfang Juli zum ersten Mal den Tulsi-Basilikum beerntet, in dem ich den Stängel unterhalb der obersten Blattpaare abgeschnitten habe. Damit rege ich gleichzeitig die Verzweigung der Pflanze an, so dass sie buschiger wird. Ältere Pflanzen, die 2-3 Jahre alt sind, brauchen nicht mehr beschnitten zu werden. Allerdings ist es mir bisher nicht gelungen, das Tulsi-Basilikum unbeschadet über den Winter zu bringen, weil einfach die passende Räumlichkeit dafür nicht vorhanden ist. Hierfür benötigt es einen hellen und zwischen 15 bis 20 Grad Celsius warmen Raum.

Ernte und Verarbeitung
Sowohl das Kraut als auch die Blüten verwende ich in Küche als Gewürz, Pesto oder Tee. Um Tee bzw. Gewürz herzustellen ernte ich sowohl die Blätter als auch die Blüten, wasche sie in kaltem Wasser gut ab, schleudere sie trocken und lege sie für 22- 24 Stunden bei 35 -40 Grad in den Dörrautomat zum trocknen. Im Backofen funktioniert das auch, aber hier ist die Temperatur höher und die Blätter werden dadurch bräunlich, was nicht so schön aussieht. Die Blätter und Blüten sind perfekt trocken, wenn ich zwischen den Händen gut rebbeln kann. Für den Tee zerreibe ich die Blätter nicht ganz so stark, wir fürs Gewürz. Ich lagere den Tee in Gläsern im Keller.





Das Pesto stelle ich ganz klassisch wie mit unserem europäischen Basilikum her.
Wenn man ein sog. Pitta-Typ ist wie ich, ist es kontraproduktiv den Tee im Sommer zu trinken, weil er die Hitze in der Konstitution noch mehr befeuert. Ich bevorzuge den Tee eher in der kälteren Jahreszeit, wo er mich besser unterstützen kann. Für Vata und Kapha-Typen kann der Tulsi Tee auch im Sommer für einen Ausgleich sorgen.
Nährwerte
Das Tulsi-Basilikum kann als echtes Power-Food bezeichnet werden. Es enthält viele Vitamine, Mineralstoffe, Spurenelemente und sekundäre Pflanzenstoffe. Insbesondere die frischen Blätter liefern unserem Körper alles was er zur Gesunderhaltung benötigt:
- Vitamine:
- Vitamin A (Carotin): 2,5 mg/100g
- Vitamin C: 85 mg/100g
- Mineralstoffe:
- Calcium: 0,5-3,5 mg/100g je nach Bodenbeschaffenheit
- Magnesium
- Phospor
- Kalium
- Eisen,
- Zink
- Mangan (Spurenelement)
- Natrium (Spurenelement)
- Sekundäre Pflanzenstoffe: Eugenol, Rosmarinsäure, Osimumoside
- Fett: 800 mg/100g
- Kohlenhydrate: 5.100 mg/100g
- Eiweiß: 3.100 mg/100g
- Kalorien: 22/100g
Wie Tulsi-Basilikum unsere Gesundheit unterstützen kann
- Tusli-Basilikum ist ein natürliches Kraut dass eine Anti-Stress-Wirkung hat und beim Entspannen hilft.
- Aufgrund der hohen Dichte an Antioxidantien verbessert es die Verdauung, spült Giftstoffe aus dem Körper und reinigt den Magen. Aufgrund der enthaltenen Bitterstoffe unterstützt es auch die Leberfunktion.
- Tulsi-Basilikum aktiviert den Stoffwechsel, steigert die Fettverbrennung und kann die Gewichtsreduktion unterstützen.
- In einigen Quellen in sog. Mini-Studien, wird dem Tulsi-Basilikum Blutzucker senkende Eigenschaft zugeschrieben, da diese die Funktion der Betazellen der Bauchspeicheldrüse und die Insulinausschüttung verbessern sollen. Hierfür gibt es allerdings keine qualitativ hochwertige Studien, die diese These bestätigen.
- Aufgrund der antimikrobiellen Wirkung der Pflanzenblätter können Bakterien im Mund bekämpft werden, was die Entstehung von Karies verhindern kann.
Welche Nebenwirkungen kann Tulsi-Basilikum haben?
Wie bei so vielen macht auch beim Tulsi-Basilikum die Dosis das Gift:
- Eugenol ist ein Phenylpropanoid, das für den intensiven Geruch nach Gewürznelken verantwortlich ist. Es wirkt schmerzstillend und entzündungshemmend. Gleichzeitig hat es toxische Eigenschaften, so dass wenn es überdosiert wird (ab 10 Milliliter beim Erwachsenen) zu einer Vergiftung mit Leber-, Magen-, Darmschäden kommen kann. Dies sollte aber bei der Verwendung einiger weniger Blätter des Basilikums kaum erreichbar sein.
- bei übermäßigen Konsum kann es zu einer Hypoglykämie (Unterzuckerung) kommen; Diabetiker sollten hier etwas vorsichtig sein.
- auch Schwangere sollten sparsam damit umgehen, weil Tulsi zu verstärkten Gebärmutterkontraktionen, Probleme während der Wehen oder der Menstruation nach der Schwangerschaft verursachen kann.
- Tulsi könnte auch eine blutverdünnende Wirkung haben, weshalb Menschen, die Thrombozytenaggregationshemmer oder gerinnungshemmende Medikamente nehmen müssen, das Risiko für Blutungen erhöhen können und daher vorher ihren Arzt fragen sollten.
In jedem Fall finde ich, dass das Tulsi-Basilikum in keinem Garten fehlen sollte. Alleine der Tatsache geschuldet, dass es eine wahre Freude ist, zu beobachten, wie verschiedene Bienenarten diese Pflanzen besuchen. Darüber hinaus ist es eine Bereicherung für die Küche und unserer Gesundheit.
Wenn man abends auf der Terrasse sitzt kann uns die Pflanze auch helfen: Eine Pflanzschale mit Tulsi-Basilikum auf dem Gartentisch sorgt dafür, dass die lästigen Mücken einen nicht zu sehr ärgern.
Hast du Tulsi-Basilikum auch in deinem Garten stehen oder ihn bereits als Tee getrunken? Wie sind deine Erfahrungen damit? Dann lasse mir gerne einen Kommentar und ein Like da.


Hast Du noch Fragen und Anregungen, dann lasse es mich bitte wissen: